Amorbach (Unterfranken)

Odenwaldbräu E.Etzel - 1799 bis 1994

Mühlrain 10
63916 Amorbach

Der junge Küfer Georg Anton Oetzel (1742 - 1808) lässt sich 1775 in Amorbach nieder. Er stammte aus dem badischen Reicholzheim an der Tauber. Bald erwirbt er sich bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen und wird 1803, nach Aufhebung des Klosters, als Hofküfer in den Dienst des Fürsten zu Leiningen übernommen. In dieser Stellung avanciert er sogar zum Stadthauptmann.

Mit seinem Sohn Georg Franz Oetzel beginnt eigentlich die Geschichte der Brauerei. Er erlernt das Brauerhandwerk bei Friedrich Michel in Amorbach und übt seinen Beruf anschließend unter Johann Becker aus. Dieser Johann Becker kam 1789 als Müller ins Städtchen, wird aber bereits 1796 als Bierbrauer genannt. Drei Jahre später schon erhielt er für sich das Braufeuerrecht.

Mit Urkunde vom 3. Juli 1799 erhielt auch Georg Franz Oetzel die Braurechtskonzession. Vermutlich handelte es sich um eine Braustätte zusammen mit Friedrich Michel und Johann Becker. Im September 1802 erwirbt Oetzel die Braugerechtsame alleine auf seinen Namen. Seine Partner sind durch Tod bzw. durch Rückkehr in den alten Beruf ausgeschieden. Schon 1804 wird das Haus Nr. 70 in der Löhrstraße als Sitz der Brauerei, einer Branntweinbrennerei und einer kleinen Gastwirtschaft erwähnt. Nach seinem Tod 1832 führt die Witwe Rosalie die Brauerei weiter. In der Zwischenzeit hat sich die Schreibweise des Familiennamens "Ötzel" in "Etzel" geändert und wird künftig in dieser Form beibehalten.

1844 übergab die Mutter an ihren erstgeborenen Sohn Georg Michael Etzel (1810 - 1892) den Felsenkeller am Mühlrain mit Gerätschaften und Materialien für Küferei und Bierbrauerei. Mit Urkunde vom 5. September 1844 verlieh ihm die königliche Regierung von Unterfranken die Braurechtskonzession. Auch das Küfergewerbe durfte er lt. Stadtratsbeschluss vom September 1846 ausüben. Zwei andere Bewerber hingegen wurden zur gleichen Zeit zurückgewiesen.

Zwischen 1845 und 1875 erweiterte Etzel seinen Besitz durch Zukäufe bis zur beinahe endgültigen Größe. Die Braustätte konnte somit an den Wolkmannsberg verlegt werden.

Noch zu Lebzeiten überschrieb Michael Etzel 1877 Brauerei und alle Liegenschaften an seinen Sohn Karl Joseph (1846 - 1915). In der Folge wird der Betrieb ausgedehnt, erstmals werden auch andere Gastwirtschaften in der näheren Umgebung als Kunden gewonnen. Nach Unterlagen über die lokale Malz- und Biersteuer "exportierte" Etzel 1880 immerhin schon 600 hl aus Amorbach.

Nach dem Tod von Karl Joseph Etzel führte der älteste Sohn August Alfred (1881 - 1954), der ebenfalls das Brauerhandwerk erlernte, den Betrieb weiter. Dem technischen Fortschritt trug man Rechnung und investierte viel in die Brauerei. 1917 hatte der Lagerkeller ein Fassungsvermögen von 500 hl, der Gärkeller von 280 hl.

Einen großen Aufschwung erlebte man durch die Stilllegung der Fürstlich Leiningischen Brauerei in Ernstthal. Hier konnten viele Wirte als Kunden gewonnen werden. Höhepunkt der technischen Modernisierung war zweifellos der Bau eines neuen Sudhauses in den Jahren 1936 bis 1938. August Etzel hat auch gut die Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegsjahre gemeistert. Den enormen Aufschwung in den 50er und vor allem in den 60er Jahren erlebte er nicht mehr. Der Sohn August Etzel (1920-1966) führte zusammen mit seiner tüchtigen Frau Elisabeth die Brauerei weiter. Sie leitete nach dem frühen Ableben ihres Mannes die Geschicke bis zu ihrem Tod 1978. Nachfolger war der Alleinerbe Robert Etzel. Er verkaufte den Betrieb 1992 an den Münchner Kaufmann Ulrich Backeshoff, von welchem das Brauhaus Faust in Miltenberg 1994 die Kunden übernahm. Der Betrieb wurde daraufhin stillgelegt.

Quelle: www.faust.de

Brauerei Franz Sachs - 1842 bis 1902

Wann Franz Sachs mit dem Bierbrauen angefangen hat, ist nicht ganz sicher. Vermutlich dürfte es 1842 gewesen sein. Denn erste Aufzeichnungen von ihm über Einnahmen von Malz und Bier stammen von 1843. Von 1844 bis 1847 datieren Einnahmen pro Fass und Mass. Von 1867 bis 1884 werden Einnahmen und Ausgaben, aus "beiden Hopfen Gärten erziehlt", verzeichnet. Sachs hat also das zum Bierherstellen benötigte Malz und den Hopfen selbst angebaut bzw. hergestellt und den Überschuss wahrscheinlich verkauft.

Der Felsenkeller, der zum Lagern des Bieres nötig war, lag auf Kirchzeller Gemarkung und wurde 1875 vergrößert. Im gleichen Jahr wurde auch ein neuer Braukessel angeschafft und in den Jahren 1880 bis 1884 wurden einige Gerätschaften installiert, so u.a. ein eisernes Kühlschiff, ein Maischbottich und eine Malzdarre. Die Brauerei Sachs scheint trotz der erheblichen Investitionen in der Hauptsache nur für den eigenen Bedarf gebraut zu haben. Sie ist auch nicht verzeichnet in der Liste der "Exporteure", also der Hersteller, die nach auswärts geliefert haben.

Bekannt sind uns die folgenden Produktionszahlen:
1882 wurden 13 Sude hergestellt, 1883 zehn, 1884 elf und 1885 waren es nur sechs Sude. Die benötigte Hefe bezog Sachs meistens von der Löwenbrauerei in Miltenberg, manchmal war es auch eigene Hefe, die er dann entsprechend lang aufheben musste.

Die Brauerei befand sich in der hinteren Scheune der Ballmannsmühle am Mühlrain. Zwischen dem Kino (ehemalige Zehntscheuer) und dem Gasthof "Engel" besaß die Familie Sachs ein Anwesen, welches damals als Bier- und Lagerkeller diente. Das ausgereifte Bier wurde vom Felsenkeller in Kirchzell nach Amorbach gefahren und in obigem Anwesen in Transportfässer gefüllt und gelagert.

Neben dem Gasthaus "Stern" betrieb die Familie Sachs noch die "Sachsenhalle" mit Kegelbahn.

Der Besitznachfolger von Franz Ignaz Sachs, der 1885 verstarb, war sein Sohn Franz Otto. Dieser machte aber erst 1893 in Augsburg seinen Braumeister. In der Zwischenzeit führten seine Mutter und die Geschwister die Geschäfte. Franz Otto starb allerdings bereits 1900 im Alter von nur 30 Jahren. Bald nach seinem Tod wurden der Braubetrieb eingestellt und die Gebäude verkauft.
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Brauerei Burkarth -1803 bis 1985

Mühlrain 10
63916 Amorbach

1803 kommt Paulus Burkarth, geboren 1774 in Bamberg, als Bierbrauer nach Amorbach. Er heiratet im gleichen Jahr Martha Hock aus der Kalt-Loch-Brauerei in Miltenberg und gründet lt. Originalurkunde vom 4. Juni 1804 die Brauerei mit Gastwirtschaft. 1836 übernimmt Georg-Josef (geb. 1808) mit seiner Ehefrau Margaretha, geb. Schüssler, aus Gottersdorf das Bierbrauen und erhält im gleichen Jahr das Bürgerrecht. Er ist sehr geschäftstüchtig, baut schon 1837 an der Kirchzeller Strasse den sogen. Burkarths-Keller, kauft viele Grundstücke in Amorbach, führt eine musterhafte Buchführung ein – alle Akten sind heute noch vorhanden – und schreibt 1867 im "Würzburger Abendblatt" einen langen Leserbrief über das Bier und beschwert sich besonders über die hohe und ungerechte Besteuerung von Malz und Bier. Der lokale Malz- und Bieraufschlag wurde in Amorbach allerdings erst am 1. Januar 1879 eingeführt. Nach ihm folgt 1870 der Sohn Moritz. Er stirbt schon 1882 und hinterlässt seine Witwe Maria mit sechs kleinen Kindern. Sie schlägt sich durch, will alles erhalten, baut am Sommerberg sogar den Hopfen für das eigene Bier selbst an, überwindet 1883 einen Bergrutsch, der die kleine Brauerei schwer in Mitleidenschaft zieht, und führt auch die Landwirtschaft weiter. Über die Erdrutschkatastrophe berichtete der „Miltenberger Anzeiger“ in seiner Ausgabe vom 3. Januar 1883 u.a. wie folgt:
"Unsere Befürchtung, dass bei andauerndem Regenwetter weitere Erdrutsche am Wolkmann zu erwarten seien, hat sich leider bestätigt. Gestern Mittag löste sich nahe dem vorigen Rutsch eine große Erdmasse und verwandelte unter furchtbarem Getöse den massiven Anbau des Burkarthschen Brauhauses in einen Trümmerhaufen, während das Dach des Brauhauses selbst bedeutend beschädigt wurde."
Nach ihrem Ableben 1907 wird das Erbe aufgeteilt. Sohn Paul übernimmt die Brauerei, seine Schwestern Maria, Magdalena und Anna bringen den Gasthof zu hohem Ansehen. Im "Dreimäderlhaus" verkehren viele Gäste aus Nah und Fern, sowohl aus Amorbach und vielen kleinen Orten ringsum, als auch aus Frankfurt, Essen und Berlin. Alle werden gut und reell bedient.

1914 treffen sich alle Reservisten aus Amorbach und Umgebung zum Abschied in der "Brauerei Burkarth". Sie schreiben sich namentlich mit Abschiedsgrüßen wie "Mit Gott für König und Vaterland!" oder "Die Ehre des Vaterlandes ist zu retten!" Oder "Ich kämpfe für Vaterland und meine Familie!" in ein Album ein und trinken natürlich Freibier.
Über Produktionszahlen wird leider nichts berichtet. Man weiß lediglich, dass 1917 der Lagerkeller ein Fassungsvermögen von 224 hl und der Gärkeller eines von 120 hl hatte.
1931 erfolgte ein großer Umbau von Wirtschaft und Brauerei. 1945 kehrte der letzte Namensträger „Burkarth“ vom Krieg nicht mehr zurück. Er war ebenfalls gelernter Bierbrauer. Seine Schwester Hildegard Neugebauer und ihr Mann Otto führen ab 1952 Brauerei und Gasthof weiter. Für den Gasthof folgen 1961 und 1986/87 weitere Umbaumaßnahmen, die immer wieder dem Wohl der Gäste und nicht zuletzt auch der Fremdenverkehrsstadt Amorbach zugute kommen. Die an sich gut eingerichtete Brauerei wird am 1.4.1985 aufgegeben.
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