Birkenfeld (Unterfranken)

Ludwigs-Brauerei - 1826 bis 1924

97834 Birkenfeld

Fast genau 100 Jahre bestand in Birkenfeld eine Brauerei, nämlich die Ludwigs-Brauerei. Länger noch existierte die dazu gehörige Gastwirtschaft "Vogel Strauß". Wann deren erste urkundliche Erwähnung erfolgte, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass der Bierbrauer Georg Fischer auf das Anwesen Haus Nr. 135 am 15. Februar 1826 die Brauereikonzession beantragte und auch erhielt. Daraufhin kaufte er das Grundstück für 1.480 Gulden.

1846 starb Georg Fischer und sein Sohn Johann Georg erbte die Liegenschaften und übernahm auch das Braurecht. Von diesem kaufte am 9. Januar 1880 der Bauunternehmer und Bierbrauer Michael Keupp, dessen Ehefrau eine geborene Fischer war, das Haus Nr. 135 mit allen dazu gehörigen Grundstücken, die folgende Teile umfassten:

Wohnhaus mit Stall, Scheuer, Holzhalle, Schweineställe, Brauhaus, Hofraum, Gemüsegarten und Baumgarten hinter der Scheuer. Der Kaufpreis betrug 5.141 Mark und 86 Kreuzer. 1881 versuchte Constanzia Fischer den Verkauf rückgängig zu machen, aber das Königliche Amtsgericht Marktheidenfeld versagte die Zustimmung. Michael Keupp blieb weiterhin der Eigentümer. 1882 jedoch kam alles unter den Hammer und der Landwirt Georg Gerlich aus Greußenheim ersteigerte den gesamten Besitz für 16.010 Mark, um ihn einen Tag später an den Bierbrauer Josef Ludwig von Arnstein zum gleichen Preis weiter zu verkaufen. Dieser hat vermutlich in der Brauerei Menig in Neubrunn sein Handwerk erlernt. Dort lernte er auch seine Frau Maria Rauch kennen, die er 1874 heiratete.

1884 erlebte er einen schweren Rückschlag, als am 27. März das Brauhaus mitsamt der Einrichtung durch Brand zerstört wurde. Bevor er die Genehmigung zum Wiederaufbau erhielt, ging beim Königlichen Amtsgericht in Marktheidenfeld ein Einspruch seines Nachbarn Georg Fischer ein. Er meldete Bedenken an und hielt das Bauvorhaben für höchst feuergefährlich, da es in jüngster Zeit bereits zweimal gebrannt habe und "...nur glücklich gelöscht werden konnte, weil das Gebäude ringsum frei stand und das Wasser nebenan fließt". Der Einspruch wurde aber verworfen und 1886 konnte Josef Ludwig ein neues Brauhaus mit Malzdarre errichten. Für den Neubau musste er 1.600 Mark bezahlen, von der Brandversicherung erhielt er lediglich 749 Mark.

Wie der Vater, so war auch der Sohn gelernter Bierbrauer. Josef übergab schon im Alter von 56 Jahren den gesamten Besitz an seinen Sohn Andreas Ludwig, u.a. mit Brauhaus, Fass- und Gerätehalle, Motorraum, Kegelbahn und Hofraum. Der Vater verstarb am 31. Dezember 1901. Andreas war recht aktiv. 1903 baute er eine neue Fass- und Gerätehalle und erwarb später noch einen Felsenkeller an der Remlinger Straße. Er diente ihm als Eiskeller, um auch im Sommer das Bier entsprechend kühl halten zu können. Zur Eisgewinnung in den sogen. Eisweihern benötigte man als Arbeitsgeräte die Eissäge, die Eiszange und den Eishaken. Zur Wasserversorgung diente ein Brunnen im ehemaligen Brauhaus, der bei einem Umbau im Jahre 1958 erst wieder entdeckt wurde. Beliefert wurden auch andere Wirtschaften, außer in Birkenfeld u.a. in Duttenbrunn und Billingshausen. 1924 übernahm der Sohn Karl (1900-1973) die Liegenschaften. Er war kein Bierbrauer, sondern zeitlebens Land- und Gastwirt. Das Braurecht ist deshalb kurze Zeit später an die Bürgerbräu in Marktheidenfeld verkauft worden, die Brauerei wurde stillgelegt.

Die Gastwirtschaft "Vogel Strauß" führte die Tochter Rosa zusammen mit ihrem Ehemann Engelbert Liebler bis zur Betriebsaufgabe 1984 weiter. Ein bunter Vogel Strauß an der Fassade des Hauses in der Brunnenstraße hält heute noch die Erinnerung an Geselligkeit und ein gutes Bier wach.

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