Eschau (Unterfranken)

Brauerei zur Krone - 1870 bis 1920

Hauptstraße
63863 Eschau

In welchem Jahr die Brauerei gegründet wurde, ist bis heute leider nicht bekannt. Es ist aber zu vermuten, dass Martin Trockenbrodt, der von 1796 bis 1854 lebte, der erste Bierbrauer in der Krone war. Ein Vermögensverzeichnis seines Sohnes Friedrich Trockenbrodt (1819-1854) beinhaltet u.a. ein Brau- und Brennhaus. Die Gaststätte ist schon wesentlich älter. Der Vater von Martin, Johannes (1765-1827) , wird bereits als Kronenwirt bezeichnet.

Die Tochter des Friedrich Trockenbrodt, Sophia, übernahm Brauerei und Gastwirtschaft, wie aus einem "Realitäten-Übergabevertrag" vom 3. September 1860 zu entnehmen ist, von ihrer verwitweten Mutter Margaretha Trockenbrodt. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet. Wenig später jedoch ehelichte sie den aus Prichsenstadt stammenden Bierbrauer Gottlieb Volland (1833-1895).

Er war ein sehr rühriger Mann. Im Hof der Krone baute er nicht nur ein neues Brauhaus (1874), er errichtete 1881 auch den heute noch existierenden Felsenkeller als Eis- und Lagerkeller für das Sommerbier. Zwischen April und September war es den Bierbrauern ja von Gesetzes wegen untersagt zu brauen. Das benötigte Bier musste also schon im Winter auf Vorrat hergestellt werden. Das Eis zum Kühlen holte man vom Eisweiher hinter der Brauerei. Wenn das nicht genügte, musste man es auch von weiter her transportieren. Der Felsenkeller war zudem eine beliebte Sommerwirtschaft.

Auch im öffentlichen Leben spielte Gottlieb Volland eine wichtige Rolle. So war er Gründer der freiwilligen Feuerwehr Eschau. Als hochangesehener Bürger starb er 1895 im Alter von 62 Jahren.

Der älteste von fünf Söhnen, Karl, übernahm die Brauerei. Er war ein ebenso unternehmerischer und weitblickender Mann wie sein Vater. Als erstes ließ er eine über 1 km entfernte Quelle fassen und von Schmiedemeister Jost durch eine 50 mm-Bleileitung direkt mit dem Brauhaus verbinden. So war er unabhängig von der oft problematischen Wasserqualität der örtlichen Brunnen. Das zur Bierherstellung benötigte Malz wurde in der eigenen Mälzerei produziert.

1901 erweiterte er das Brauhaus, und als das Bahnprojekt Gestalt annahm, baute er 1909 in der Nähe des Bahnhofs ein stattliches Anwesen und richtete dort eine weitere Wirtschaft ein, das Gasthaus "Spessart". Dieses besaß - wie der Felsenkeller - eine Kegelbahn.

Frühzeitig erkannte Karl Volland die Vorteile der Elektrizität. Von der nahe gelegenen Obermühle, wo der erste Stromerzeuger in Eschau stand, bezog man zunächst den Strom, der nach mündlicher Überlieferung zuweilen in "Naturalien" bezahlt wurde.

Im Kriegsjahr 1915 starb Karl Volland 52-jährig an Tuberkulose. Seine Witwe konnte die Brauerei nicht mehr weiterführen. Sie wurde von da an von der Heylands-Brauerei in Aschaffenburg - vermutlich auf Lohnbraubasis - beliefert. Mit Vertrag vom 15. Oktober 1918 schloss Katharina Volland mit der Bayerischen Aktien-Bierbrauerei Aschaffenburg einen Kaufvertrag ab, wonach diese das Braukontigent und die gesamte Brauereieinrichtung, jedoch nicht die Grundstücke, kaufte. Damit endete die eigentlich recht erfolgreiche Geschichte der Brauerei "zur Krone" in Eschau. Das Anwesen wurde 1920 veräußert, nicht aber der Felsenkeller und das Gasthaus "Spessart", das sich nach mehrfachem Nutzungswechsel noch heute im Eigentum von Nachkommen des Karl Volland befindet.
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Brauerei und Gastwirtschaft »Zur Krone«