Großheubach (Unterfranken)

Brauerei Freihof - 1612 bis 1918

63920 Großheubach

Schon seit 1612 soll im Freihof Bier gebraut worden sein. Leider kennen wir bis heute keine Urkunden oder andere Schriftstücke, die dieses oder ein anderes Gründungsdatum bestätigen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wissen wir Konkreteres. Laut notarieller Urkunde vom 8. Januar 1863 übernahm August Broßler von seinen Eltern und seiner Großmutter den Freihof. Es ist anzunehmen, dass von den Vorgenerationen hier schon Bier gebraut wurde.

Rektor a.D. Hörl erwähnt den Freihof in seinen Aufzeichnungen im Zusammenhang mit den damaligen Lebensmittelkontrollen. So schreibt er: "Die Bierbrauer werden ab l868 regelmäßig überprüft. Einmal war das Bier etwas "tunglicht", aber keineswegs geringhaltig." Später hieß es: "Das Bier war ausgezeichnet" und zwei Monate später war zu lesen, "dass bei den Brauern kein Bier mehr vorhanden war." Im Oktober 1868 wurde vermeldet, dass es bei den Gewerbetreibenden ein befriedigendes Resultat gab, mit Ausnahme, dass der Brauer August Broßler weder ein altes Bier vorzeigen konnte noch ein neues ausgesotten hatte. Das hing mit dem Verbot des Brauens während der Sommermonate zusammen, welches erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts aufgehoben wurde.

Broßler verkaufte 1871 seine Liegenschaften für 8.300 Gulden an die Brüder August und Siegfried König, beide Bierbrauer. Aber bereits im August 1872 wurde der Freihof - nach vorhergehender Versteigerung - von Mathäus Josef Spall in Klingengerg für 5.802 Gulden weiterveräußert an Johann Adam Dümig, aus Roden bei Lohr. Beim Notar konnte sich dieser nur mittels eines alten Wanderbüchleins und eines Militärentlassungsscheins ausweisen. Der Kaufmann Abraham Sichel aus Kleinheubach ließ die Grundstücke vorher versteigern.

Johann Adam Dümig muss schon Ende der 70er Jahre gestorben sein. Seine Witwe heiratete den Bierbrauer Georg Wirth, der die Brauerei bis zu seinem Tod im Jahre 1908 leitete. Danach übernimmt der Sohn aus erster Ehe, Johann Adam Dümig (1877 - 1918), den Betrieb. Um diese Zeit dürfte der Bierausstoß etwa 600 bis 800 hl betragen haben. Es wurden auch andere Gaststätten beliefert, so u.a. der Engelberg. Die Brauerei war ein typischer Kleinbetrieb. Die Sudpfanne hatte ein Ausschlagvolumen von 17 hl, das benötigte Malz musste beim Müller geschrotet werden. Erst 1911 wurde eine Schrotmühle und eine Malzwaage angeschafft. Die Lagerkapazität betrug etwa 200 hl. Der Schwundsatz wurde 1910 auf 23% festgelegt. Um einen Vergleich zu geben: Bis zum Ende 1994 galt das alte Biersteuergesetz. Bis dahin waren Schwundsätze von 7 - 8% üblich. Aus der Police der Königlich Bayerischen Hagelversicherungs-Anstalt von 1899 geht hervor, dass auch Stangenhopfen mitversichert war.

1913 erwarb man die Brauerei zur Rose für 25.000 Mark und legte sie bald still. Als Dümig 1915 einrücken musste und 1918 fiel, konnte die Witwe den Betrieb nicht mehr lange fortführen. Vermutlich 1918 wurde der Braubetrieb eingestellt. Noch mehrere Jahre lang bezog man das Bier mittels Lohnbrauvertrag von der Löwenbrauerei Miltenberg. Am 23. Juli 1923 wurde nochmals ein Lohnbrauvertrag mit der gleichen Brauerei geschlossen. Zwar lernte der Sohn aus erster Ehe, Adam Dümig, auch das Brauerhandwerk in der Brauerei Frankenbach in Mudau, aber es war zu spät, die Brauerei Freihof wurde nicht mehr eröffnet. Beim danach verkauften Inventar waren unter anderem zwei Gerstenweichen, ein Hinweis, dass neben der Brauerei auch eine Mälzerei betrieben wurde. Adam Dümig führte mit seiner Frau lediglich die Brauereiwirtschaft als gute Speisegaststätte weiter. Noch 1943 war die Sudhauseinrichtung vorhanden.
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Zur Rose - 1868 bis 1913

63920 Großheubach

Auch im heutigen allseits bekannten Gasthaus "Zur Rose" befand sich früher einmal eine Brauerei, die schon vor 1880 bestand. Als Besitzer genannt wird Siegfried König. Der Schlussstein an einem Kellereingang weist die Jahreszahl 1879 aus und den Namen S. König. 1868 muss die Brauerei schon bestanden haben, denn ein Lebensmittelkontrolleur schrieb in einem Bericht vom gleichen Jahr schon von "Die Bierbrauer in Großheubach....".

Dieser Siegfried König (1845-1906), der zusammen mit seinem Bruder August 1871 schon einmal Besitzer der Brauerei Freihof war, muss ein recht unsteter Geist gewesen sein. Jedenfalls reiste er wohl in der Absicht auszuwandern um diese Zeit nach New York, um dort 1872 seine Frau zu heiraten. Einige Jahre später war er wieder in Großheubach. Wann er die "Rose" kaufte, ist nicht bekannt. Er hat die Brauerei offensichtlich recht erfolgreich betrieben. Mehrstöckige geräumige Bierkeller, über denen das Sudhaus stand, lassen den Schluss zu, dass die Brauerei nicht so klein war.

1900 verkaufte Siegfried König die "Rose" an Josef Kirchhof in Kleinheubach. Die Besitzer und Pächter wechselten nun recht häufig. Wegen der dauernden Besitz- und Pächterwechsel muss es auch einige Produktionsunterbrechungen gegeben haben. Im Februar 1909 erfolgte eine Zwangsversteigerung gegen Ludwig Oettinger, der seit 1905 Besitzer war, wegen "Substahation", wie es in der Zeitung hieß. Ersteigert hat sie der Kleinheubacher Bierbrauer Karl Sotter, der 1904 schon einmal als Pächter auf diesem Objekt genannt wurde. Er bezahlte für die "Rose" 24.000 Mark. Allzu lange konnte sich Sotter auch nicht halten. So konnte sie der Freihof-Bräu Johann Adam Dümig 1913 für 25.000 Mark erwerben. Dieser legte die Brauerei vermutlich kurze Zeit später still. Die Witwe von Dümig, die in der Zwischenzeit den Bierbrauer Leopold Galmbacher geheiratet hatte, verkaufte im Jahre 1919 die "Rose" an den Landwirt Ludwig Deckart in Großheubach.
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