Karbach (Unterfranken)

Brauerei Engelhard - 1815 bis 1914

Im Wanderbuch des Johann Adam Ehehalt befand sich folgendes Zeugnis: "Innhaber dieses hat sich vom 29ten September bis 23ten Debr. 1815 dahier aufgehalten und dem Herrn Forstmeister Betz eine Bier u. Branntweinbrennerey eingerichtet, während welcher Zeit sich derselbe sehr gut betragen hat. Karbach, den 23ten des Debr. 1800 fünfzehn Großh. Bad. Polizey Commissariat!"

Die Gründung der Brauerei ist also mit Sicherheit auf das Jahr 1815 zu datieren.

Der besagte Johann Adam Ehehalt kam aber bald zurück und erwarb von Forstmeister Betz 1823 die Brauerei. Ein Jahr später kaufte er für 600 Gulden das nebenliegende Haus Nr. 14 - ebenfalls von Forstmeister Betz. Somit hatte er genügend Platz zum Bierbrauen. Es bestand bis dahin lediglich eine kleine Brauerei in Haus Nr. 179, deren kupferner Kessel aber nur wenige Hektoliter faßte und der später, oben teilweise abgeschnitten, in der bäuerlichen und darum umso besseren Schnapsbrennerei in Haus Nr. 194 verwendet wurde, wie der Chronist berichtete. Haus Nr. 13, Wohnhaus mit Zubehör, wurde 1824 von Johann Adam Ehehalt um 600 Gulden von Forstmeister Betz zu Haus Nr. 14 zugekauft. Das Wohnhaus Nr. 13 wurde in Ökonomiegebäude umgewandelt und führte 1700 die Beziehung das siebente Haus im untern Dorf linker Hand im Höflein". Da der Weinbau in Karbach um das Jahr 1825 merklich zurückging, nahm die Bierbrauerei bald einen nennenswerten Aufschwung. Im Jahre 1845 kam der tüchtige Bierbrauer Johann Mai aus Schonungen ins Dorf, heiratete die Wirts- und Brauerstochter Christine Ehehalt und vergrößerte, um den gestiegenen Bierbedarf zu decken, im Jahre 1869 das Brauereianwesen, (Über dem ehemaligen Brauereieingang ist allerdings die Jahreszahl 1865 eingemeißelt.)

In der Zeit von 1845 bis 1869 sollen an den Samstagen oft bis zu zehn auswärtige Wirte Bier bei Mai abgeholt haben und die Bierstube sah oft Gäste aus den besten Ständen, wie z.B. die herrschaftlichen Beamten aus Rothenfels, die königlichen Beamten von Marktheidenfeld usw. Der edle Gerstensaft soll so gut eingesotten gewesen sein, dass die Biergläser auf den Tischen anklebten. Damals besaß Karbach, wie der Finanzpraktikant Geier in Rothenfels am 1. September 1864 in einen Kalender schrieb, "drei Merkwürdigkeiten!". Als dritte Merkwürdigkeit beschrieb er: "Die Brauerei stellt einen Trank her, zu dem man mit Kreuz und Fahne wallfahren muß".

Wenn es auch nicht unmittelbar zum Thema gehört, so soll doch noch die "erste Merkwürdigkeit!" von Karbach erwähnt werden. Wörtlich schrieb Geier: "Nach der Ludwigsmühle (jetzt Hessenmühle genannt) sind wegen der Prozeßwut beider Müller viele Tagfahrten zu machen, wobei auch etwas für den unbesoldeten Praktikanten abfällt." Der Bierbrauer Franz Georg Engelhard (1845-1914) aus Aschaffenburg heiratete die einzige Tochter Karoline des Johann Mai und trat somit die Besitznachfolge an. Er führte die Brauerei, die Gastwirtschaft und auch die Landwirtschaft weiter. Im April 1896 beantragten seine Söhne Otto und Theodor die Konzession für "Schankwirtschaft, Ausschank von nicht selbst gebrautem Bier, Wein unter Ausschluß von Branntwein." Das hieß aber noch lange nicht, dass der Braubetrieb eingestellt wurde. In der Stellungnahme zu diesem Gesuch führte der Gemeinderat u. a. aus:
I. "Der Fortbestand des hiesigen sogenannten Brauhauses mit Schankwirtschaft ist für die hiesige Gemeinde ein Bedürftniss aus folgenden Gründen:
b) Das Brauhaus wird hauptsächlich von Männern besucht, die wegen der daselbst herrschenden Ordnung und Sauberkeit die gesuchte Erhohlung finden. Tanzmusik wird darin nie abgehalten.
c) Die Brauerei ist die einzige im Dorfe und liefert stets frisches Bier. Ihren Bedarf an Gerste bezieht sie von den hiesigen Landwirten.
II. Franz Georg Engelhard dahier besitzt in jeder Hinsicht einen sehr guten Leumund . . . und es liegen gegen ihn keine Thatsachen vor, welche die Annahme rechtfertigen würde, dass er das Wirtschaftsgewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spieles, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbrauchen werde".

Die Brauerei wurde weitergeführt bis 1914. Zu diesem Zeitpunkt musste der Bierbrauer Otto Engelhard zum Kriegsdienst einrücken und so war niemand mehr da, der den Brauereibetrieb aufrecht erhalten konnte.

Weitergeführt bis zum heutigen Tag wird aber die Gaststätte als weitbekannte Ausflugs- und Speisegaststätte in der fünften Generation Engelhard.
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