Kleinheubach (Unterfranken)

Zum goldenen Ross - 1797 bis 1900

63924 Kleinheubach  

Historisches

An der neu angelegten Hauptstraße errichtete der Bierbrauer Johann Michael Büchner von 1792 bis 1797 das Haus Hauptstraße Nr. 8 als Gastwirtschaft mit eigener Brauerei. Das Gasthaus erhielt den Namen "Goldenes Ross".

Die Konzession für Brauerei und Wirtschaft wurde vom Fürstlichen Herrschaftsgericht am 16. August 1797 erteilt. Für diese Genehmigung musste Büchner eine sogenannte Stempelgebühr von 15 Gulden bezahlen.

Die wichtige Frage der Wasserversorgung löste Büchner in Zusammenarbeit mit einigen Nachbarn, die gemeinsam einen Brunnen auf dem Büchnerschen Grundstück bohrten. Dies wurde mit einem Vertrag vom 25. April 1796 vereinbart.

Bereits 1804 verpachtete Johann Michael Büchner die Wirtschaft an den Fürstlichen Küchenmeister Herrmann, der bis 1810 Pächter war. Die Brauerei selbst wurde aber von Büchner betrieben. Als neuer Inhaber wurde 1811 ein gewisser Osterheld genannt, der Brauerei und Wirtschaft aber nur bis 1814 inne hatte. Am 30. Januar 1815 erwarb sie Anton Fertig aus einer öffentlichen Versteigerung für 7.105 Gulden. Nach dem Versteigerungsvermerk bestand das Anwesen zu dieser Zeit aus Brauhaus, Wirtschaft, Scheune, Stall und Garten. Anton Fertig war von 1790 bis 1812 in Kleinheubach Bürgermeister. Er war in dem erworbenen Anwesen weder als Bierbrauer noch als Wirt tätig. Er verpachtete es an einen Bierbrauer namens Elder, der Brauerei und Wirtschaft bis 1825 betrieb. Nächster Inhaber war Christoph Heinrich Fertig, der Sohn des Amtsschultheißen, der von 1825 bis 1835 wirkte. Nach seinem Tod wurde das "Goldene Ross" versteigert. Erwerber war der Jude Lazarus Straßburger, der es am 30. Juni 1837 für 7.000 Gulden kaufte. Daraufhin brach in Kleinheubach ein Sturm der Entrüstung aus, denn zur damaligen Zeit war es noch undenkbar, dass ein Jude als Wirt und Bierbrauer tätig sein konnte. Aber Straßburger beabsichtigte gar nicht das Gewerbe selbst auszuüben, er verpachtete sein Anwesen. In mehr oder weniger rascher Reihenfolge wechselten die Pächter, bis auf eine Ausnahme: Von 1879 bis 1894 war Karl Metzger der Betreiber des in der Zwischenzeit in "Löwensteiner Hof" umbenannten Anwesens. 1848 glaubte der damalige Pächter Valentin Bachmann, dies sei opportun, er erhoffte sich davon einen besseren Geschäftsgang.

1897 erwarb der Bierbrauer Josef Kirchhof den "Löwensteiner Hof". Er war der letzte Bierbrauer, denn nach dessen Konkurs im Jahre 1900 wurde hier kein Bier mehr gebraut. Die Gaststätte schloss 1970 ihre Pforten.
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Zum Hirschen - 1651 bis 1907

63924 Kleinheubach  

Historisches

In Kleinheubach hat es schon im 17. Jahrhundert mehrere gewerbliche Brauereien gegeben - in der zweiten Hälfte waren es immerhin sechs.

Eine der ältesten war die Brauerei und Gastwirtschaft »Zum Hirschen«. Sie wurde erstmals 1651 erwähnt, als ein Hans Kuhn nicht nur die Schildgerechtigkeit erhielt, sondern auch das Braurecht. Hans Kruschwitz erwarb 1655 den "Hirschen" für 275 Gulden. Für längere Zeit ist in den Ohmgeldbüchern der Gemeinde nichts mehr verzeichnet, bis der "Holländer" genannte Caspar Gehrlich 1697 den "Hirschen" für 800 Gulden kaufte. In der Folgezeit gab es viele Besitzer- und Pächterwechsel. Erst mit dem Erwerb durch den Bierbrauer Christoph Heinrich Portscher im Jahre 1736 trat eine gewisse Kontinuität ein, denn der "Hirschen" blieb fast 90 Jahre im Besitz der Familie.

Es war damals wohl ein renommiertes Haus. In diese Zeit fällt auch eine Episode, die auf mündlicher Überlieferung beruht. Wolfgang Amadeus Mozart soll auf der Reise nach Frankfurt zur Kaiserkrönung im "Hirschen" übernachtet haben.

Auch nach der Ära Portscher wechselten die Besitzer und Pächter recht häufig. 1882 kaufte der Bierbrauer Josef Starrach das Hirsch-Anwesen. Er war Besitzer bis 1898. Starrach erwarb es von dem Vorbesitzer Friedrich Schweykart "jung", wie es in der Notariatsurkunde vom 7. Juni 1882 heißt. In diese Zeit fällt wahrscheinlich der Neubau des Brauhauses, wie er heute noch im Hofe des "Hirschen" zu sehen ist. Vermutlich hat sich Starrach aber damit übernommen, denn er war in der Folgezeit kaum in der Lage auch nur kleine bauliche Verbesserungen durchzuführen. 1897 erhielt er z.B. die Auflage die Toilettenanlage zu sanieren.

Mit Schreiben vom 20.5.1897 bittet Starrach den königlichen Bezirksamtmann von Axthelm seinen Bezirksbaumeister nicht herauszuschicken, weil er vor habe die Beanstandungen selbst zu beheben. Zur Begründung schrieb er: "Wenn der Herr Baumeister herauskommt, so rechnet er sich selbstverständlich seine Gebühren und muss ich doch jede überflüssige Ausgabe vermeiden trachten, denn die Einnahmen sind nicht so glänzend."

Im Sommer 1898 waren die Beanstandungen immer noch nicht behoben. In einer entsprechenden Aktennotiz wurde vom Bezirksamtmann dazu vermerkt: "Mit Rücksicht auf die mißliche Vermögenslage des Genannten soll ihm Zeit gelassen werden."

Es half aber alles nichts, er musste Brauerei und Gastwirtschaft 1901 an Josef Kirchhof verkaufen. Aber auch dieser kam auf keinen grünen Zweig. Schon 1907 verpachtete er die Gaststätte. Um diese Zeit wurde wohl auch der Braubetrieb eingestellt, von da an diente das Brauhaus zunächst als Schlachthaus und später als Kelterei. 1909 erwarb Kirchhofs Schwager Otto Schneider, Besitzer der Brauerei und Gastwirtschaft "Zur schönen Aussicht, den "Hirschen". Der stattliche Gebäudekomplex befindet sich noch heute im Besitz der Nachkommen des Otto Schneider.
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Zur schönen Aussicht - 1889 bis 1919

63924 Kleinheubach  

Historisches

Der Pfarrer Gottlieb Wagner schreibt in seiner Ortsgeschichte von 1933:
"Es mag wahr gewesen sein, was ein Bescheid des Fürstlichen Herrschaftsgerichtes vom 10. März 1832 gesagt hat, dass Heubach ein Ort sei, in dem ein fleißiger Handwerksmann beständige Beschäftigung finden kann. Aber fünf Wirte, dazu zehn Bender und Bierbrauer war des Guten doch zu viel".

Diese Angaben gehen aus einer Volkszählung des Jahres 1765 hervor. Besitzer von Brauereien waren um diese Zeit nur die Wirte "Zum Hirschen" und "Löwen". Die anderen übten ihr Bendergeschäft aus oder arbeiteten als solche oder als Brauer in den hiesigen oder auswärtigen Braustätten. Neue Brauereien entstanden ausgangs des 18. und im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Ende des 19. Jahrhunderts dürften acht Wirtschaften Braurecht besessen haben.

Zweifellos war die "Schöne Aussicht" eine der jüngsten dieser zahlreichen Brauereien. Erstmals wurde das stattliche Haus Marktstraße 12 auch als Wirtschaft erwähnt, als Kaspar Klein dort eine Bierbrauerei einrichtete und betrieb. Sein Nachfolger war Jakob Deffner. Er war Besitzer von 1889 bis 1900. In diesen Jahren wird er als Zahler der anfallenden Malzsteuer an die Gemeinde genannt. Das Ohmgeld (Getränkesteuer) für den Ausschank von Wein und Apfelwein wurde aber 1890-1893 von Karl Sotter entrichtet, der von Deffner die Wirtschaft gepachtet hatte. Sotter baute in dieser Zeit den großen Saal, der lange Zeit der größte Versammlungsraum weit und breit war.

Pachtnachfolger im Oktober 1902 war Otto Schneider, der 1909 den "Hirschen" kaufte. Besitznachfolger von 1900 bis 1909 wurde Peter Kirchhof. Er betrieb zusammen mit Otto Schneider die Brauerei. Kurzfristig war auch Ludwig Oettinger von Großheubach Pächter der "Schönen Aussicht".

Kirchhof hat in seiner Zeit als Besitzer einiges in die Brauerei investiert. So wurde 1902 ein neues Kesselhaus errichtet. Einen 1888 gefertigten Dampfkessel kaufte er von der Bierbrauerei Neckarhäuser Hof bei Hirschhorn. In der Errichtungsgenehmigung wird als Betreiber die Firma Kirchhof & Schneider genannt.

Neuer Besitzer der "Schönen Aussicht" war der Malzfabrikant Karl Ries aus Aschaffenburg. Er hat vermutlich das Anwesen aus einer Zwangsversteigerung erworben, die am 13. September 1909 stattfand. Er sicherte sich damit wohl Forderungen aus Malzlieferungen. Pächter war in dieser Zeit Wilhelm Filbert aus Kleinheubach. 1919 verkaufte Ries Brauerei und Wirtschaft an Franz Hoerr. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte der Brauereibetrieb eingestellt worden sein. Jedenfalls beantragte Hoerr 1923 die Konzession zum Betrieb der Wirtschaft, nicht aber für die Brauerei. Dazu noch eine Anmerkung: Angesichts der 1923 immer schneller galoppierenden Inflation musste Hoerr für die Erteilung der Wirtschaftserlaubnis an die Gemeinde und an das Landratsamt 40.000 Mark an Gebühren bezahlen.
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