Klingenberg (Unterfranken)

Brauerei Ebert - 1828 bis 1945


63911 Klingenberg

Historisches

Am 18. Februar 1754 bittet Johann Michael Koch bei der Stadt Klingenberg um ein Braurecht. Wann er es erhielt, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass die Stadt in der Folge mit ihm einige Probleme hatte, weil er sein Ohmgeld (Getränkesteuer) nicht bezahlte. Später hat er wegen finanzieller Schwierigkeiten sein Brau- und Brennrecht an Dominikus Ebert verkauft.

Dieser reichte im Jahre 1828 bei der Stadtverwaltung einen Plan für ein zweistöckiges Brau- und Brennhaus außerhalb des Brunntorturms zur Genehmigung ein. Sie wird ihm auch erteilt. Aber er muss fünf Gulden Strafe bezahlen, weil er bereits vor der Genehmigung mit dem Bau begonnen hatte. Nach und nach entstanden noch ein ebenerdiger Lagerkeller, darüber ein Biergarten, ein Gartensaal und eine Kegelbahn. Auf der anderen Straßenseite, zum Main gelegen, wird der Brauereigaststätte noch ein Gebäude mit Ställen für die Brauereipferde und eine Wohnung hinzugefügt. Eine Brunnenstube garantierte die ausreichende Versorgung der Brauerei mit Wasser von guter Qualität, was ja Voraussetzung ist für die Herstellung eines guten Bieres.

Der Sohn von Dominikus Ebert, Johann Anton (1811-1846), übernahm die Brauerei. Er starb aber bereits mit 35 Jahren. Die junge Witwe heiratete ihren Braumeister Nikolaus Geiger (1821-1894) aus Aschaffenburg. Zu den sechs Kindern aus erster Ehe kamen jetzt noch fünf weitere aus der zweiten Ehe hinzu. Nikolaus Geiger und seine Frau führten die Brauerei gemeinsam recht erfolgreich. Über einige Jahrzehnte hieß sie auch "Brauerei Geiger". Theodor Ebert (1838-1885), Sohn aus erster Ehe, half nach seiner Berufsausbildung im Betrieb und übernahm ihn nach einigen Jahren. Er wird allgemein der "Eberts Theo" genannt und erfreute sich in der Öffentlichkeit großer Beliebtheit. Theo Ebert heiratete Therese Kuhn aus der Gastwirtschaft "Zur Krone". Der Sohn Valentin (1867-1951) modernisierte die Brauerei. Er errichtete 1895 ein attraktives Sudhausgebäude mit vier Stockwerken. Die Außenmauern wurden mit Sandsteinquadern hochgezogen.

Für den jährlichen Eisbedarf stand der Main zur Verfügung. Die Brauerei hatte aber auch zwei eigene Eisweiher. Pferdefuhrwerke brachten das wertvolle Gut zu den Eiskellern in der "Schlucht" und zu den Eishütten der Brauerei mit ihren typischen zeltartigen Strohdächern.

Der einzige Sohn von Valentin und Maria Theresia Ebert wurde nach dem Großvater wieder Theodor (1896-1944) genannt. Natürlich erlernte auch er das Brauerhandwerk. Die alten Klingenberger haben den "schönen Theo" wohl noch gut in Erinnerung. Er heiratete 1928 ebenfalls eine Tochter aus der Kronenwirtsfamilie. 1939 musste er einrücken. Sein Vater Valentin führte den Brauereibetrieb weiter so gut er konnte. Die Rohstoffbeschaffung gestaltete sich immer schwieriger. Es wurde nahezu nur noch Dünnbier produziert, außer für Wehrmachtslieferungen. Dieses Bier durfte etwas stärker eingebraut werden. Es war für die Frau und die Eltern ein schwerer Schlag, als die Nachricht eintraf, dass Theo am 20. November 1944 gefallen war. Vater Valentin schließt daraufhin die Brauerei und führt nur noch die Gastwirtschaft weiter. Theo Eberts Sohn Willi, auf dem die Hoffnungen der Mutter und der Großeltern ruhten, wird zwar auch Bierbrauer, aber er zieht es vor nach USA zu Verwandten zu gehen, statt den stillgelegten Betrieb in Klingenberg wieder zu aktivieren.

Das stattliche Brauereigebäude ist heute im Besitz der Stadt Klingenberg und beherbergt jetzt das Weinbau- und Heimatmuseum und das Stadtarchiv.
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