Mömlingen (Unterfranken)

Löwenbrauerei Mömlingen - 1823 bis 1933


63835 Mömlingen

Es gehört wohl in den Bereich der Legende, dass der aus Eisenbach stammende Landschöffe Conrad Giegerich bereits 1610 die erste Braustätte errichtet hat. Urkundlich erwähnt wird Giegerich erstmals als Besitzer des Gasthauses "Zum Löwen", des ältesten Mömlinger Wirtshauses, 1648. Aber als Bierbrauer ist er nicht erwähnt. Ein anderer Mömlinger jedoch - der Brezelwirt Anton Vogel (1768-1842) - beantragte und erhielt die Braugerechtigkeit 1807 für sein Haus Nr. 73. Seit 1798 hat er hier eine Brauerei betrieben. Er musste sie allerdings 1808 wieder aufgeben, da er selbst die Ohmgelder nicht mehr bezahlen konnte.

Es war der junge Gast- und Landwirt Anton Vogel (1806-1863), ein entfernter Verwandter des zuerst erwähnten Anton Vogel, der mit kräftiger Hilfe seiner Mutter in einem bescheidenen Anbau des Gasthauses "Zum Löwen" 1823 anfing Bier zu brauen. Der Betrieb wurde bei der Gemeinde angemeldet als landwirtschaftlicher Nebenerwerbsbetrieb. Dort wo sich heute der hintere alte Fußballplatz befindet, war der Eisweiher angelegt, in welchem das benötigte Eis gewonnen wurde.

Bald waren die Räumlichkeiten zu klein. Anton und sein Sohn Michael planten ein größeres Betriebsgebäude, das in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände hinter der Wirtschaft verwirklicht wurde. Es war ein sehr stattliches Gebäude, das man mit dem Buntsandstein der kurz zuvor erschlossenen Mömlinger Steinbrüche errichtete. Diesen imposanten Bau - seine Mauern waren 80 cm dick - konnte man noch bis 1998 bewundern. Dann wurde er abgerissen. Die Steine fanden Wiederverwendung bei der Errichtung eines Schlößchens in Berg am Starnberger See. Mit seinen Maßen von 20 m Länge, 10 m Tiefe und 14 m Dachfirsthöhe, sowie seinen zwei Kaminen prägte er maßgeblich das Mömlinger Ortsbild.

Mit der neuen Brauerei wurden auch Stallungen für die Pferde, Unterkünfte für die Knechte und Mägde, sowie Lagerräume geschaffen. In der Familienchronik wird Anton Vogel auch als Erbauer der neuen Gaststätte "Zum Löwen" genannt. Er starb 1863. Sein Sohn Michael Josef überlebte ihn nur drei Jahre. Die junge Witwe Kreszentia - sie stammte aus der Krone - heiratete 1872 in zweiter Ehe den Bierbrauer Leonhard Klug (1847-1937), der ein sehr rühriger Mann war und sich große Verdienste um Mömlingen erwarb. Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts wird er unter der Berufsbezeichnung Gastwirt und Brauer als Vorstand des Krieger- und Veteranenvereins erwähnt. Er war auch der erste Kommandant der 1880 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Schließlich gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Molkereigenossenschaft Mömlingen und war deren erster Direktor. In dieser Eigenschaft betrieb er den Bau der ersten Mömlinger Wasserleitung, der 1894 dann verwirklicht wurde. Die Kosten teilten sich die Molkereigenossenschaft und die Brauerei, die Gemeinde gab einen Zuschuss von 500 Mark. Am 1. Dezember 1901 übernahm die Gemeinde die Wasserleitung zu den Gestehungskosten von 4.018,03 Mark, wovon beide bisherigen Besitzer jeweils die Hälfte ausbezahlt bekamen.

Was Klug allerdings veranlasste bereits neun Jahre später, also 1903, für die Brauerei eine eigene, drei km lange Wasserleitung von der "Reitersquelle" unterhalb Wald-Amorbach zu installieren, ist nicht bekannt. Es ist zu vermuten, dass die oft ungenügende Wassermenge, die der Brauerei zur Verfügung stand - und das natürlich vorwiegend zu Sommerszeiten - der Grund war. Oder war das Mömlinger Wasser zu teuer? Zum Bau der Leitung erteilte die Gemeinde am 26. Januar 1903 die Genehmigung. Auf Antrag erhielt Klug aus der sogenannten "Hofgutkasse" ein Darlehen von 5.000 Mark.

Die Brauerei entwickelte sich sehr ordentlich, sie war eine gut geführte Familienbrauerei, die vor allem um die Jahrhundertwende florierte. Das Löwenbräubier war beliebt und wurde in vielen Gastwirtschaften der Umgebung abgesetzt. Die Pferdefuhrwerke transportierten es sogar bis in den Frankfurter Raum. Schon sehr früh wurde auch ein Lastwagen angeschafft, natürlich vollgummibereift, wie es damals Stand der Technik war.

Trotz des nicht unerheblichen Umsatzes beschäftigte Klug nicht viele Vollzeitarbeitskräfte. Nach einem Gewerbeverzeichnis von 1898 waren es nur vier. Dazu kamen natürlich einige Familienangehörige und sicher eine Reihe von Teilzeitarbeitskräften. In dieser Zeit wurde Klug als viert- bzw. fünftgrößter Zahler unter den steuerzahlenden Betrieben in Mömlingen registriert.

Leonhard Klug blieb bis zu seinem Tod 1937 Eigentümer der Brauerei, übertrug jedoch kurz nach der Jahrhundertwende die Geschäftsleitung seinem ältesten Sohn Josef (1872-1936). Dieser bewirtschaftete zusammen mit seiner Frau Maria, geb. Pfeifer, auch die Gaststätte "Zum Löwen".

Er war der letzte Brauer, der 1933 vor der immer härter werdenden Konkurrenz und wohl auch vor den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise kapitulierte und von der Fürstlichen Schlossbrauerei Bronnbach übernommen wurde. Nur die Produktion von Kunsteis hat man noch bis 1960 aufrecht erhalten. Der Sohn Valentin Klug übernahm die Bezirks- und Generalvertretung der Bronnbacher Brauerei. Erwähnenswert ist noch, dass 1948 Dr. Adam Klug, ein Bruder von Josef Klug, den Versuch unternahm die Brauerei wieder zu aktivieren, jedoch offensichtlich ohne Erfolg.
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