Neubrunn (Unterfranken)

Brauerei Menig - 1866 bis 1969


97277 Neubrunn

1864 bis 1866 erbaute der Bierbrauer Martin Kemmer die Brauerei mit einem Kostenaufwand von 100.000 Gulden. Während des Krieges 1866 wurde das erste Bier an zu Pferd durchziehende preußische Offiziere ausgeschenkt, welche dann die leeren Gläser an die Hauswand warfen.

1871 starb Martin Kemmer, sein Sohn Eduard führte den Betrieb noch bis zum 1.6.1909. Dann verkaufte er ihn an den Braumeister Alfred Philipp aus Nürnberg. Der neue Besitzer konnte aber wohl nicht recht wirtschaften, denn bereits 1915 musste er Konkurs anmelden. Die Brauerei fiel wieder zurück an die Tochter Anna des Gründers Martin Kemmer. Der Bruder Eduard war inzwischen verstorben.

20 Jahre stand der Betrieb nun still, bis ihn am 2. Juni 1936 der Brauereibesitzer Eugen Menig und dessen Sohn Leo kauften. Die neuen Besitzer hatten ihre Brauerei, die 1893 gegründet wurde, in der Dorfmitte. Diese wurde nach Erwerb der Kemmerbräu aufgegeben, nur die Gastwirtschaft wurde dort weiterbetrieben.

Nun ging man nach dem langen Stillstand daran die Gebäude und Einrichtungen gründlich zu sanieren. Zunächst wurde anstelle einer Kegelbahn ein langgestrecktes Gebäude errichtet, in welchem man die Flaschen-, Faßwasch- und Abfüllmaschinen unterbrachte. Ebenso wurde hier die Eismaschine nebst Kühlraum installiert. Die Lagerkeller wurden erweitert - zum Teil durch Felssprengung. Es wurde das Sudhaus saniert. Man verwendete die noch guten Gefäße aus der alten Brauerei. Während der Bauarbeiten verstarb Eugen Menig. Sein Sohn Leo setzte die Sanierungsarbeiten fort, bis der Zweite Weltkrieg ausbrach. Nun begann die Dünnbierzeit und die Bierkontingentierung. Leo Menig mußte 1939 einrücken und kehrte nicht mehr zurück. Seine Ehefrau Lina führte nun den Betrieb unter schwierigen Umständen weiter, hatte sie doch auch drei kleine Kinder zu versorgen. Eines davon, Josef, lernte in Kitzingen das Brauerhandwerk, arbeitete dann noch in einer Schweinfurter Brauerei und schloss 1960 seine Ausbildung als Braumeister in der Brauerschule Doemens in München ab.

In der Zwischenzeit wurde kräftig investiert, so u.a. ein neues Kühlschiff angeschafft, die Flaschenfüllerei modernisiert, eine Limoabfüllanlage erstellt, der Fuhrpark erweitert. 1957 erfolgte eine Lagerkellervergrößerung. 1964 ging man an das größte Vorhaben, den Bau eines neuen Sudhauses mit einem Kostenaufwand von DM 250.000. Im April 1966 wurde noch das 100-jährige Betriebsjubiläum gefeiert.

Der plötzliche Tod von Josef Menig unterbrach 1966 die überaus positive Entwicklung. Er war erst 28 Jahre alt. Ein Jahr später verließ sein Bruder Eugen , der kaufmännische Leiter, die Brauerei und zog mit seiner Familie nach München. 1969 wurde der Betrieb an die Brau AG Nürnberg verpachtet und diente von da ab nur noch als Depot.
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