Obernburg (Unterfranken)

Brauerei Schuster - 1776 bis 1920


63785 Obernburg


Johann Höhnlein erwarb erst am 1. Oktober 1807 auf Drängen der Obrigkeit eine Brauereikonzession für sein Haus Nr. 228 (heute Römerstraße 54), obwohl er schon seit 1776 dort Bier braute. Ab 1796 betrieb sein Sohn Paul die Brauerei. Vater Johann bat daher das Vicedomamt, dass er somit von der Lösung der Konzession befreit werde. Er erklärte, "...daß er altershalber nicht mehr braue, und sich ohnehin bloß mit dem Holzgewerb bis daher abgegeben, daher sein Braugeschirr an seinen Sohn übertragen, so dürfte die Conzenz Urkunde für Paul Höhnlein auszufertigen sein". Laut Beschluss des Vicedomamtes von 1807 musste dann dieser den Consens zum Feuerrecht lösen.

Nachfolger von Paul dürfte Johann Höhnlein gewesen sein. Dieser wird als Krämer, Kiefer (Küfer), Bierbrauer und Branntweinbrenner bezeichnet. Ein Bauantrag belegt, dass er 1832 einen großen Felsenkeller zur Eis- und Bierlagerung errichtet hat. Dieser lag im tiefen Tal.

Nach seinem Tod führte vermutlich sein Schwiegersohn Rudolf Deckelmann die Brauerei weiter. Aus nicht bekannten Gründen hat aber seine Schwiegermutter, die Witwe von Franz Joseph Höhnlein, im Juni 1856 Antrag auf Rückübertragung der Konzession ihres realen Bierbrauergeschäftes gestellt. Sie hat am 17.4.1856 von ihrem Tochtermann das Bierbrauereianwesen samt allen Rechten und Gerechtigkeiten wieder übernommen. In ihrem Antrag führte sie außerdem an, dass sie das Geschäft vor ihrem Tochtermann schon ausgeübt habe. In der Magistratssitzung vom 12. Juli 1856 wurde der Antrag behandelt und ihm stattgegeben, u.a. mit dem Bemerken, dass "...ihr die Ausübung ihres real und radizierten Gewerbes nicht verwehrt werden kann, wenn gleichwohl dem Rudolf Deckelmann die Konzeßion in persönlicher Eigenschaft ertheilt wurde, dieser seine Konzeßion bei dem Mangel eines Anwesens nicht mehr ausüben kann..." und, wie es weiter heißt, "...daß es sich hier nicht um die Verleihung einer neuen Konzeßion handelt". Die Bewilligung ihrer Bierbrauergerechtsame wurde ihr vorbehaltlich der Einstellung eines geprüften Werkführers erteilt.

Die weitere Entwicklung ist insofern überraschend, als sie die Brauerei noch im gleichen Jahr an Wendelin Peter Klug aus Großwallstadt verkaufte. Nachfolger war dessen Sohn Ambros Klug, der sie 1896 an den Bierbrauer Anton Schuster veräußerte. Dessen Sohn Christian betrieb die Brauerei weiter. Es ist anzunehmen, dass Schuster der einzige Obernburger Bierbrauer war, der sein Bier auch an andere Wirtschaften verkaufte.

Wie lange die Brauereiwirtschaft, die in späteren Jahren in "Zum Bräustübel" umbenannt wurde, schon existierte, ist nicht bekannt. Die Bierbrauerei wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg, vermutlich 1920, aufgegeben. Christian Schuster verstarb 1914, seine Erben führten die Brauerei noch einige Jahre weiter.
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Zum Karpfen - 1824 bis 1887


63785 Obernburg


Um 1855 bestanden in Obernburg fünf Brauereien. Zwar produzierten sie mehr oder weniger für den eigenen Bedarf in ihrer jeweiligen Gastwirtschaft, aber sie stellten für damalige Verhältnisse doch ein beachtliches Produktionspotential dar.

Eine der damals existierenden Betriebe war die Brauerei und Gastwirtschaft "Zum Karpfen".

Der Schildwirt Jacob Schadt erhielt am 14.10.1824 die Genehmigung zum Betrieb einer Brauerei. Interessant dabei sind die damals schon recht saftigen Gebühren für die behördliche Genehmigung:

* 100 Gulden Taxe

* 2 Gulden für Stempel

* 1 Gulden für Botengebühr

* 1 Gulden Beitrag für Landesnothdurftkasse

* 3 Kreuzer Schreibgebühr

1829 kaufte der Wirt und Schiffer Wilhelm Deckelmann von Jacob Schadt die Brauerei und Gastwirtschaft, die 1850 sein Sohn Rudolf übernahm. Er war gelernter Brauer, starb allerdings schon 1854 im Alter von 29 Jahren. Seine Witwe führte den Betrieb weiter, bis ihr Sohn Josef Wilhelm Deckelmann ihn übernehmen konnte. Auch er starb jung - 35 jährig - 1887 an einer Lungenentzündung, die er sich im Eiskeller der Brauerei zugezogen haben soll. Zu allem Unglück wurde im gleichen Jahr die Brauerei durch einen Brand vollständig zerstört. Sie wurde nicht mehr aufgebaut, der Wirtschaftsbetrieb aber erfolgreich weitergeführt. Das weitbekannte Hotel "Zum Karpfen" ist heute noch im Besitz der Familie Deckelmann und besitzt einen ausgezeichneten Ruf.

Besonders erwähnenswert ist noch, dass die Familie Deckelmann "Am Mühlrain" ihren eigenen Hopfengarten besaß und den für die Bierherstellung benötigten Hopfen wohl selbst anbaute.
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Zur Sonne - 1808 bis 1922


63785 Obernburg


Der schöne Renaissancebau von 1579, dessen Fassade heute noch als Teil der Sparkasse in Obernburg zu bewundern ist, diente ursprünglich als Kloster. Kaspar Joseph Hofmann erhielt für dieses Haus am 1. Mai 1808 die Gastwirtschaftsgerechtigkeit. Da er Bierbrauer war, ist anzunehmen, dass er auch bald selbstgebrautes Bier verzapfte. Es könnte sogar sein, dass der Vorbesitzer August Ruppert schon mit dem Bierbrauen angefangen hat. In einem Gewerbeverzeichnis von 1829 ist Hofmann als Besitzer der "Sonne" verzeichnet. 1837 verstarb er. Aber bereits 1834 wird als Sonnenwirt Georg Wilhelm Becker genannt. Er war der Sohn des Hirschwirts Paul Becker. 1839 ist als Berufsbezeichnung Gastwirt, Bierbrauer und Branntweinbrenner festgehalten.

Gustav Hofmann, ebenfalls Gastwirt und Bierbrauer, kaufte 1851 die "Sonne", für die er erst 1858 die Gaststättenkonzession erhielt. In der Stellungnahme des Stadtmagistrats vom 3. September 1858 zu dem entsprechenden Gesuch von Hofmann hieß es u.a., dass " in diesem Haus von jeher die Gastwirtschaft ausgeübt wurde."

In kurzer Folge wechselten die Besitzer. So war es von 1868 bis 1873 August Ruppert, 1873 bis 1875 Theodor Groh. Dieser war offensichtlich finanziell recht klamm, denn es lasteten auf den Gebäuden etliche Hypotheken. U.a. schuldete Groh "seit drei Wintern dem Georg Giegerich in Großwallstadt 3000 Gulden."

Von ihm erwarb 1875 der aus der Bamberger Gegend stammende Konrad Birkner die "Sonne" für 9.000 Gulden, einschließlich aller Gegenstände - auch der Brauereieinrichtung. Aus dem Kaufvertrag geht auch hervor, dass bereits eine Malzdarre und ein Fasslager im Keller vorhanden war. Es ist auch festgehalten, dass schon vor Birkners Zeiten Bier gebraut wurde, da ausdrücklich von einem Brauhaus die Rede ist.

Als Bierbrauer erwarb sich Birkner bald einen guten Namen. Das "Sonnenbier" war weit und breit bekannt wegen seiner guten Qualität und Herbheit.

An der Miltenberger Straße besaß die "Sonne" einen großen Eiskeller, der in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.

Konrad Birkner gab, weil sein einziger Sohn frühzeitig an einem Nierenleiden verstarb, 1922 die Brauerei auf. Seine Tochter Eva Pfeifer führte die Gaststätte weiter.
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