Remlingen (Unterfranken)

Brauerei Schwab - 1878 bis 1918


97280 Remlingen
 

"Am 31. Mai 1882 wurde die schadhafte Helmstange mit Knopf , Kreuz und Engel vom Kirchturm herunter gethan. ...". So ist in einem erhaltenen Protokoll der Gemeinde Remlingen zu lesen. In die erneuerte Kirchturmspitze deponierte man Dokumente, in welchen wesentliche Daten zur Ortsgeschichte niedergeschrieben wurden. So wurde festgehalten, dass Remlingen 1881 1373 Einwohner hatte und dass es 1882 hier zwei Bierbrauereien mit Bierwirtschaft gab sowie weitere fünf Gastwirtschaften.

Eine dieser Brauereien war die Brauerei Schwab. Der Bierbrauer Georg Schwab (1846-1919) hat vermutlich 1878 mit dem Bierbrauen angefangen. Er hatte eine gründliche Ausbildung genossen und war etliche Jahre auf der Walz, die ihn bis nach Holland führte. In dieser Zeit hat er seine Frau aus Dietenhan kennengelernt. Bereits 1875 richtete man ein mit einem Wohnhaus kombiniertes Brauhaus ein. Zwei Jahre später wurde am Gänsberg ein Bierkeller angelegt und dazu eine Kegelbahn gebaut.

Auch von dieser Brauerei gibt es nur spärliche Unterlagen. Bekannt ist lediglich, dass sie eine eigene Mälzerei hatte, die vermutlich auch andere Brauereien belieferte. 1929/30 wurde sogar ein stattlicher Tennenneubau errichtet und die Darre erneuert. Bis 1940 arbeitete die Mälzerei und sie produzierte vorwiegend für die Mälzerei Sorg in Marktheidenfeld. Von der Brauerei ist bekannt, dass sie ihr Eis vom Main her transportieren musste, was eine ziemlich zeitaufwendige und mühsame Angelegenheit war. Georg Schwab jr. (1877-1951), der ebenfalls Bierbrauer war, übernahm wohl noch vor dem Ersten Weltkrieg die Brauerei und die Wirtschaft. Das Bier wurde auch an andere Wirtschaften geliefert. Die Brauerei besaß einen eigenen Brunnen. 1896 wurde das Brauhaus durch Aufstockung erweitert.

Wann genau die Brauerei aufgegeben wurde und warum, ist nicht bekannt. Es dürfte aber am Ende des Ersten Weltkriegs oder kurz danach der Fall gewesen sein. Die Brauereiwirtschaft war noch bis zum Zweiten Weltkrieg geöffnet.
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Bernhard Seitz - 1820 bis 1921


97280 Remlingen

Das Vorhaben des Bierbrauers Johann Georg Seitz (1799-1844) eine eigene Brauerei zu errichten, stand in doppelter Hinsicht unter keinem guten Stern. Um 1840 begann er mit dem Bau des Brauhauses und einer Bierhalle. 1843 musste er aber den Bau wieder abreißen, weil die Bodenverhältnisse so schlecht waren. Mit verbesserten Fundamenten begann er wieder von vorne, verunglückte aber 1844 tödlich. Sein Sohn Georg vollendete das Werk und begann mit dem Bierbrauen.

Nach mündlicher Überlieferung bestand die Brauerei Seitz schon seit etwa 1820 und befand sich zunächst im Haus Würzburger Straße 9.

Ob es schon vor 1820 in Remlingen eine Brauerei gab, ist nicht bekannt. In der Ortschronik von Andreas Stäblein wird ein Bierbrauer namens Schneider erwähnt, der 1795 verstorben ist. Ob er mit den zwei später existierenden Brauereien in Verbindung gebracht werden kann, ist bisher nicht nachzuweisen.

Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es sehr wenige Nachrichten und Unterlagen. Bekannt ist eigentlich nur, dass der in der Brauerei benötigte Bedarf an Eis zum Teil im Schlossgraben gewonnen wurde. Das war deshalb möglich, weil der Vater von Johann Georg Seitz, Johann Bernhard, der von 1771 bis 1825 lebte, Amelia Elisabetha Schneider heiratete, deren Familie nach der Säkularisation Besitzer des unteren Schlossgutes wurde. Die Brauerei scheint sich jedoch recht gut entwickelt zu haben, es wurden auf jeden Fall auch andere Wirtschaften der Umgebung beliefert.

Um 1890 hat der Sohn von Georg, Bernhard Seitz (1857-1935), Brauerei und Wirtschaft übernommen. Zu dieser Zeit belief sich der Ausstoß auf etwa 1.200 bis 1.300 hl. 1895 waren es 1.300 bis 1.400 hl. Damit war der Höhepunkt erreicht. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert sank er stetig und lag 1905 nur noch bei 800 bis 900 hl. Das lag wohl an der immer stärker werdenden Konkurrenz der größeren Brauereien in Marktheidenfeld und Würzburg. Hergestellt wurde nur "braunes Bier". Für die Jahre 1907 bis 1909 wurde der durchschnittliche Malzverbrauch auf 128,4 dz festgelegt. Der tatsächliche Verbrauch war folgender: 1907 150 dz., 1909 121 dz. Und 1913 107 dz. Den Schwundsatz für 1910 bis 1913 fixierte das Königliche Hauptzollamt auf 21 %. Für das Sudjahr 1917/18 belief sich das Malzkontingent gerade noch auf 15,85 dz. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, dass nur noch für den Bedarf in der eigenen Wirtschaft Dünnbier erzeugt wurde. Wahrscheinlich 1921 wurde der Brauereibetrieb stillgelegt. Denn im Frühjahr dieses Jahres fanden mit dem Bürgerlichen Brauhaus in Augsburg-Göggingen Verkaufsverhandlungen wegen des Braukontingents statt.

Ein technisch interessantes Detail im Sudhaus ist durch eine noch vorliegende Vermessungsverhandlung der Sudpfanne aus dem Jahre 1910 erwähnenswert. Dieses gut 34 hl fassende Braugefäß wird darin folgendermaßen beschrieben:
"Die Sudpfanne hat die Form eines Vierecks, der Boden ist in der Mitte etwas höher, die Wände stehen nahezu senkrecht".
Quelle: Brauhaus Faust oHG