Wörth (Unterfranken)

Brauerei Zengel - 1766 bis 1915

63939 Wörth a. Main
1766 erhielt der von Erlenbach zugezogene Bierbrauer und Wirt Johann Adam Zengel das Bierbrauerei-Recht für das Gasthaus zur Krone und 1767 die Feuer-Gerechtigkeit. Sein Gesuch auf Verlegung dieses Rechts in sein dermahliges Wohnhaus stieß auf heftigen Widerstand der Nachbarschaft, wurde aber nach Begutachtung von zwei Sachverständigen von der Churfürstlichen Landesregierung zu Mainz genehmigt.
Trotzdem gab es aber keine Ruhe. Die Nachbarin Anna Maria Langin unterstellte dem Johann Adam Zengel noch in einer Eingabe von 1777, es sei mit einem falschen Gutachten manipuliert worden. Offensichtlich waren die Schwierigkeiten doch so groß, dass er sein Braurecht ruhen ließ.
Darauf schließen lässt auch ein Gesuch des Joseph Kaufer aus Wörth auf Erteilung einer Bierbrauerei-Gerechtigkeit aus dem Jahre 1787. Er begründet es u.a. damit, dass derzeit nur ein einziger Bierbrauer in Wörth wohne, welcher aber wegen zu wenigem Raum in seinem Hause sich mit diesem Gewerbe nicht abgeben könne.
All diese Schwierigkeiten bewogen den Johann Adam Zengel sein Braurecht nicht auszuüben und sich auf die Wirtschaft zu konzentrieren. Erst seine Nachkommen sollten wieder als Bierbrauer in Erscheinung treten.
1801 stellte der Küfermeister und Engelwirt Caspar Müller an die Stadt den Antrag auf ein Braurecht. Er begründete ihn u.a. wie folgt:

- Es sind wohl dahier zwei Bierbrauer vorfindig, aber keiner hat keines gebrauet und auch keines in denen gefährlichen französischen Truppendurchzügen angeschafft.
- Der Antragsteller verwies darauf, dass es ?doch der gnädigsten Herrschaft sellten einträgig ist, wan das Bier im Land gebraut wird und nicht im Ausland geholt werden muß.
- Zudem hat sich Müller ?ein zum Braurecht neues Haus erbauet, welches auch schicklich und dienlich zum brauen ist.

Hierbei handelte es sich um den stattlichen Komplex des späteren »Löwensteiner Hof«. Die Brauerei wurde fortgeführt von der Witwe des Heinrich Vonderlinden und deren Sohn Valtin, zunächst im Neustadtwirtshaus und dann in dem Müllerschen Haus. Alois Zengel, ein Urenkel des anfangs erwähnten Johann Adam Zengel, erwarb 1881 die Brauerei und führte sie zu kurzer Blüte. Er war ein sehr vielseitiger Mann, so war er lange Jahre Feuerwehrkomandant und von 1904 bis 1929 Bürgermeister von Wörth. Die Brauerei produzierte wohl nur für die eigenen Gaststätten im »Löwensteiner Hof« und »Zum Neuen Wörth«. Sein Sohn Richard, der an der Versuchsanstalt für Brauer in München seinen Braumeister machte, führte den Betrieb weiter, zusammen mit seinen unverheirateten Geschwistern Oskar und Wally, die den älteren Wörthern sicher noch lebhaft in Erinnerung sind.
Wie viele kleine Brauereien stellte auch die Brauerei Zengel im Kriegsjahr 1915 den Braubetrieb endgültig ein und wurde von da an von der Brauerei Eder in Großostheim beliefert, mit der die Zengels einen Lohnbrauvertrag abschlossen. 1921 wurde der »Löwensteiner Hof« nebst Biergarten an die Firma Caesar Fuchs verkauft.
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Postkarte von 1898